Nebenbei Soft Skills trainieren: E-Learning fordert Geduld und Selbstdisziplin

4. März 2020

Eigenständig lernen, sich selbst organisieren und disziplinieren – das Lernen von zu Hause aus fordert die Soft Skills der Kinder und Jugendlichen. Eine Struktur in den Lernalltag bringen und sich die Zeit gut einteilen, damit neben dem Abarbeiten der Aufgaben auch Zeit für Freizeit und Erholung bleibt. Was sich anhört wie das Leben eines Studierenden ist seit fünf Wochen das Schulleben an der DSSH und zeigt: Das ist keine leichte Aufgabe. Fünf Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe berichten, wie ihnen das Lernen vom heimischen Schreibtisch aus gelingt und welche Aufgaben sie besonders gerne erledigen.

Von Unterricht im Freien und Geduldsproben vor dem Computer

Für das Entdecken der Frühblüher in Biologie geht es raus in den Garten: Konrad, 6c, verbringt viel Lernzeit mit seiner Oma in Niedersachsen. Gemeinsam erarbeiten sie die Unterrichtsinhalte der E-Learning-Aufgaben. Als im Geografieunterricht anstand, zu lernen wie sich Landschaften entwickeln und es mit eigenen Worten zu erklären, war für Konrad schnell klar, dass seine Großmutter die ideale Zuhörerin ist. Eine Bestätigung über die von ihm gehaltene Unterrichtsstunde kam postwendend. Die Geografielehrerin erreichte ein handgeschriebener Brief der Großmutter, samt Lob für die verständliche Einführung ihres Enkels in das Thema der Landschaftsentstehung.

Maximilian, 7b, vermisst mittlerweile den normalen Unterricht im Klassenzimmer und die festen Pausenzeiten. Viel Geduld verlangt ihm auch das Einscannen und Hochladen der Lösungen ab. Auch Leo, 7a, vermisst seine gewohnte Umgebung. Abwechselnd lernt er am großen Esstisch zusammen mit seinen Geschwistern oder am neu gestalteten Arbeitsplatz in seinem Zimmer – eine freiwillige Aufgabe aus dem Kunstunterricht. Dieser kam Leo gerne nach und hat sich so einen Rückzugsort geschaffen, der genauso aussieht, wie er es sich gewünscht hat. Maximilian und Leo freuen sich in der Zeit des E Learnings sehr darauf, wieder einen normalen Schulalltag zu haben.

Von Kreativität als Ablenkung und Serien schauen als Hausaufgabe

Endlich mal den ganzen Tag erlaubterweise am Computer sitzen. Ein Traum so mancher Schülerinnen und Schüler. So wundert es kaum, dass auch Julius, 9b, gerne am Computer arbeitet und dort den größten Teil der Aufgaben erledigt. Doch mindestens genauso gerne nimmt der 15-Jährige die Zusatzaufgabe seiner Klassenlehrerin an, einfach mal kreativ zu sein. Mit Pinsel, Farbe, Stift und Papier ausgestattet lässt er seiner Kreativität freien Lauf. Nichtsdestotrotz: Auf die nächste Fußballsaison freut er sich schon besonders und hofft, bald wieder mit seiner Mannschaft auf dem Sportplatz der Schule trainieren zu können.

Auch in der Oberstufe sieht das Arbeiten nicht viel anders aus. Die Elftklässlerin Lilly fasst zusammen: „Als Schüler ist es notwendig, dass man strukturiert, organisiert und diszipliniert arbeitet, um die Wochenpläne zu erfüllen. Ich vermisse das Arbeiten mit meinen Klassenkameraden und die Zeit, die wir gemeinsam in der Schule verbringen. In den letzten Wochen hat mir die Aufgabe in Französisch am meisten gefallen. Wir sollten Episoden der Serie "Les Grandes Grandes Vacances" schauen. Durch die Serie konnte ich mein Hörverständnis trainieren. Das war eine nette Abwechslung im Gegensatz zu den üblichen Lese- und Schreibaufgaben.“

Viel Geduld und Durchhaltevermögen sind also gefragt, ebenso wie abwechslungsreiche Aufgabenstellungen. Die Jugendliche und Lehrkräfte arbeiten gemeinsam daran, die E-Learning-Erfahrung weiterzuentwickeln. Wichtige Impulse gaben neben den individuellen Rückmeldungen auch die Ergebnisse einer Umfrage unter den Jahrgängen 5 bis 10 und den Lehrkräften der Sekundarstufe.

akz/PR

Alle Bilder © Deutsche Schule Shanghai